Antibiotika und Allergien

Antibiotika sind eigentlich ein Segen für die Menschheit. Bevor 1944 das erste Penicillin zur Verfügung stand, waren bakteriell bedingte Krankheiten wie Tuberkulose, Typhus, Diphtherie oder Wundinfektionen nur schwer zu behandeln und nicht selten tödlich. Leider werden Antibiotika inzwischen oft unkritisch eingesetzt. Pro 1.000 Krankenversicherte werden in Deutschland jährlich mehr als 500 Packungen Antibiotika verschrieben. Besonders Kinder und Senioren werden überreichlich damit versorgt. Dies hat schwerwiegende Folgen: Abgesehen von direkten Nebenwirkungen und zunehmender Antibiotika-Resistenz gibt es Hinweise darauf, dass der bedenkenlose Antibiotika-Einsatz mitverantwortlich für die Ausbreitung von Allergien ist.

Antibiotika und Allergien

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Fotolia © sommai

Wie kommt das? Auf dem Weg durch den Körper passieren Antibiotika unter anderem den Darm. Hier leben besonders viele wichtige Bakterien, die neben der Nährstoff- und Energieversorgung des Körpers auch für die Immunabwehr zuständig sind. Eine mögliche Nebenwirkung von Antibiotika sind Durchfälle, die das Gleichgewicht der Darmflora empfindlich stören können. Aber auch darüber hinaus  zerstören Antibiotika – insbesondere Breitbandantibiotika – den Bestand an „gesunden“ Bakterien im Darm.

Bereits 2004 hatten Wissenschaftler der Universität von Michigan in Ann Arbor in den USA durch  Tierversuche erste Hinweise erhalten, dass die dauerhafte Anwendung von Antibiotika die Anfälligkeit für Allergien erhöhen könnte. Huffnagle und sein Team hatten Mäusen eine Reihe von Antibiotika verabreicht und anschließend einigen von ihnen eine spezielle Hefe gefüttert, die auch auf der Haut des Menschen vorkommt. Die natürliche Darmflora der Mäuse war durch die Einnahme der Medikamente gestört. Im Laufe der folgenden zwei Wochen wurden allen Mäusen Pilzsporen verabreicht, die auch bei Menschen Allergien auslösen können. Das Ergebnis war eindeutig: Die Mäuse, denen zuvor Hefe verabreicht wurde, zeigten eine wesentlich höhere Immunreaktion auf die Sporen. Die Forscher schlossen daraus, dass auch Menschen anfälliger für Allergien sind, wenn ihre Darmflora durch die Einnahme von Antibiotika aus dem Gleichgewicht gerät.

Daher gilt: Antibiotika sollten nur eingenommen werden, wenn eine hartnäckige bakterielle Infektion vorliegt, die der Körper aus eigener Kraft nicht in den Griff bekommt. Erkältungen beispielsweise werden in der Regel durch Viren ausgelöst. Hier verpufft eine Antibiotika-Therapie wirkungslos. Nur in Einzelfällen kann eine Antibiotika-Behandlung bei viralen Infektionen sinnvoll sein, zum Beispiel, wenn eine chronische Grunderkrankung vorliegt, die das Immunsystem dauerhaft schwächt und die Wahrscheinlichkeit einer bakterielle Folgeinfektion stark erhöht.

Wer häufig Antibiotika zu sich nehmen muss, sollte unbedingt auf eine ausgewogene Ernährung achten. Während der Therapie selbst sollten ballaststoffreiches Getreide, Kohlgemüse und Süßstoffe weitgehend vermieden werden, da sie das Risiko von Durchfällen erhöhen. Nach der Behandlung ist es wichtig, dass die Darmflora wieder aufgebaut wird. Dafür eignen sich Jogurt und vor allem probiotische Milchprodukte. Die enthaltenen Milchsäurebakterien helfen dabei, die Darmflora rasch zu regenerieren.

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