Kälteallergie der Haut (Kälteurtikaria)

Sobald die Temperaturen fallen, haben viele Menschen ein Problem: Der Winter ist für die Haut eine echte Strapaze. Da die Haut bei Kälte austrocknet, leiden 15 Prozent der Bevölkerung unter häufigem Hautjucken, bei den älteren Menschen sind es sogar 20 Prozent. Normalerweise haben die obersten Hautschichten einen Feuchtigkeitsgehalt von 20 bis 30 Prozent, im Winter kann er bis unter zehn Prozent sinken. Viele Menschen merken dies an trockener, spannender und schuppiger Haut, Juckreiz und Brennen. Manchmal platzt die Haut beispielsweise an den Fingerknöcheln regelrecht auf. Auch die Kopfhaut kann unter Kälte leiden und produziert dann Schuppen. Dies sind jedoch normale Reaktionen, keine Allergie.

Kälteallergie der Haut (Kälteurtikaria)

Bei der sogenannten Kälteurtikaria handelt es sich tatsächlich um so etwas wie eine allergische Reaktion auf Kälte. Bei den Betroffenen kommt es bei Kontakt mit Kälte zu Juckreiz, Quaddeln, Rötungen und Schwellungen der Haut – ähnlich wie bei Nesselsucht oder anderen Hautallergien. Medizinisch haben wir hier allerdings einen etwas anderen Sachverhalt, da die Kälte selbst ja kein Allergen ist. Die so genannten Mast-Zellen, die auch für allergische Reaktionen verantwortlich sind, werden in diesem Fall direkt durch die Kältestimulation aktiviert. Mediziner sprechen hierbei von einer so genannten physikalisch ausgelösten Allergie. Dabei sind nicht nur die Haut, sondern auch die Schleimhäute betroffen. Diese können ebenfalls anschwellen und Atemnot und Erstickungsanfälle auslösen.

Ursachen für die Reaktion können neben Kaltluft auch kaltes Wasser, kühle Gegenstände, Speiseeis, kalte Getränke oder Mahlzeiten sowie verdunsteter Schweiß sein. Auch Todesfälle sind theoretisch möglich, denn im schlimmsten Falle kann es zu einem allergischen Schock kommen, der mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand endet. Das könnte auch einst Kaiser Barbarossa im Jahre 1190 das Leben gekostet haben: Experten spekulieren darüber, dass sein Sprung in einen kalten Fluss nach der siegreichen Schlacht einen anaphylaktischen Schock ausgelöst haben könnte, in Folge dessen er starb.
Anders als bei einer normalen Allergie gibt es in diesem Fall keine Sensibilisierungsphase. Die Kälteallergie kommt und geht oftmals sehr plötzlich.

Kälteurtikaria – Was tun?

Bei einer echten Kälteallergie kommen die Patienten alleine mit warm Einpacken und viel Heizen nicht weiter. Sie benötigen Antihistaminika, die die Histaminausschüttung regulieren und auf ein normales Maß zurückfahren. Mit diesen Medikamenten können Patienten auch im tiefsten Winter ein ganz normales Leben führen.

Die Diagnose kann nicht durch herkömmliche Allergietests wie den Prick-Test erfolgen. Der Arzt wird in diesem Fall die Reaktion provozieren, indem er beispielsweise Eiswürfel auf die Haut legt. Seit kurzem gibt es zudem die Möglichkeit eines so genannten Temptests. Dieser wird mit einem speziellen Kältetestgerät durchgeführt, das in der Lage ist, innerhalb des Temperaturbereichs von 0 bis 45 Grad zu ermitteln, bei welcher Temperatur die Kälteurtikaria beim Patienten ausgelöst wird.

Rechtzeitig vobeugen – Pflege ist wichtig

Die richtige Hautplege um Kälteurtikaria zu verhindern

Fotolia © doroguzenda

Dennoch sollten alle Menschen, die zu trockner Haut neigen, im Winter besonders auf ihre äußere Schutzhülle achtgeben. Ein erstes Symptom bei Austrocknung der Haut ist eine Schuppung im Bereich der Unterschenkel. Das Gesicht hingegen reagiert erst später auf die Kälte, denn im Gesicht befinden sich sehr viele Talgdrüsen.

Zur Pflege der Haut – auch bei einer bestehenden Kälteallergie – sollte häufiges warmes Duschen mit Seife, heiße Bäder und sehr häufiges Saunieren vermieden werden. Sie verstärken das Austrocknen der Haut, da dabei die Hornhaut- Fett-Schicht, die die Haut schützt, abgebaut wird. Auch ätherische Öle, die etwa zur Entspannung bei Wellness-Behandlungen angewendet werden, entziehen der Haut oft Feuchtigkeit.

Grundsätzlich ist eine warme, dichte und hautfreundliche Kleidung ratsam. Freie Stellen im Gesicht und andere ungeschützte Körperteile wie Hände können mit einer fetthaltigen Creme versorgt werden. Lebensbedrohliche Schwellungen im Rachenbereich durch kalte Speisen und Getränke lassen sich verhindern, indem die Patienten ein Notfallset bei sich tragen, das unter anderem ein flüssiges Kortison-Präparat und ein Antihistaminikum beinhaltet.



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