Lederallergie

Die Lederallergie ist eine Kontaktallergie. Sie wird allerdings nicht durch das Leder selbst ausgelöst, sondern in der Regel von Gerb- und Farbstoffen.

Risikofaktoren

LederallergieWie stark jemand allergisch reagiert, hängt von Dauer und Intensität des Kontakts mit dem behandelten Leder ab. Lederarmbänder beispielsweise werden häufig permanent in direktem Hautkontakt getragen. Schuhe werden in der Regel mit Strümpfen getragen. Frauen tragen Schuhe allerdings häufig ohne Strümpfe, wodurch mehrstündiger direkter Kontakt mit der Haut gegeben ist. Ähnliches gilt für das Tragen von Sandalen. So lässt sich Chrom (VI) – ein Gerbstoff – nach längerem Tragen von Lederschuhen im Schweiß nachweisen. Stark schwitzende Füße stellen somit einen Risikofaktor für eine Sensibilisierung durch Schuhleder dar. Bei Handschuhen verhält es sich ähnlich. Weniger riskant ist Oberbekleidung aus Leder, die in der Regel mit Textilien gefüttert ist. Hier kommt der Träger nur zeitweise und auf wenige kleine Stellen begrenzt mit Leder in Kontakt.

Symptome

Häufig beginnen die Füße beim Tragen lederner Sandalen oder Schuhe stark zu jucken. Einige Patienten haben rote Flecken und Pusteln auf der Haut.

Allergene

Die häufigsten in diesem Zusammenhang allergieauslösenden Stoffe sind Chromate. Chrom-Sulfat wird für die Gerbung des Leders benutzt. Experten schätzen, dass hierzulande etwa eine halbe Million Menschen für diesen Stoff sensibilisiert sind.

Chromate werden nach den Oxidationsstufen (Einwirkung von Sauerstoff) des Chroms in ihrer Wirkung auf den Organismus unterschieden. Sechswertiges Chrom – Chrom (VI) – kann bei Hautkontakt allergische Reaktionen auslösen sowie beim Einatmen Krebs verursachen.

Chromatbelastung im Leder kann verschiedene Gründe haben: Entweder sind die Chrom(III)-Gerbstoffe mit Chromat verunreinigt oder Chromat bildet sich beim späteren Fertigungsprozess durch Oxidation aus Chrom(III). Häufig wird beim Gerben aber auch einfach viel zu viel Chromsalz verwendet, sodass Reste von nicht gebundenem Chrom(III) im Leder verbleiben. Nicht ausgewaschen kann sich daraus mitunter später beim Tragen Chromat bilden. Ein kontrollierter, sachgemäßer Einsatz vom Chromgerbstoffen, nachträgliches Spülen des Leders und geeignete Fettungsmittel ermöglichen es jedoch,  auch mit einer Chrom(III)-Gerbung chromatfreies Leder herzustellen.

Weitere mögliche allergieauslösende Substanzen sind Glutaralgehyd und Octylisothiazolinon. Glutaraldehyd sorgt für Farbechtheit und eine verbesserte Waschbarkeit. Octylisothiazolinon hingegen ist ein Biozid, das Schimmelpilzbefall verhindert und das Leder konserviert. Ein alternatives Biozid ist Chlorkresol.

Auch bestimmte Farbstoffe und Farbstoffmischungen können für eine Lederallergie verantwortlich sein. Darüber hinaus stellen auch Klebstoffe ein Risiko dar, insbesondere Neoprenklebstoffe. Die Sensibilisierung durch Mercaptobenzothiazol wird vielfach als die häufigste Ursache einer Schuhallergie angesehen. Dieser Vulkanisationsbeschleuniger findet vorwiegend Anwendung in Gummiwaren, jedoch auch in Klebern und möglicherweise auch in Neoprenklebern. Er kommt auch in Einlegesohlen von Schuhen vor – zum Beispiel in den sogenannten Kork-Latex-Fußbetten.

Grenzwerte und Überschreitungen

Einen gesetzlichen Grenzwert für Chromat in Schuhen, Handschuhen oder Kleidung aus Leder gibt es bislang nicht.  Auch unabhängige Prüfzeichen existieren nicht. Nur für Arbeitshandschuhe aus Leder schreibt eine EU-Norm vor, dass der Chromatgehalt im Leder unter der Nachweisgrenze von 3 mg/kg liegen muss.

Ein weiteres Problem ist der weltweite Import. So beliefern zum Beispiel in China – einem der mittlerweile wichtigsten Lederexportländer – zahlreiche oftmals winzige Gerbereien einen großen Hersteller im Land, der dann die Schuhe oder Handschuhe aus den verschiedenen Lederstücken zusammensetzt. Ein Handschuh kann so zum Beispiel aus einem Dutzend unterschiedlicher Lederteile bestehen, die alle aus einer anderen Gerberei stammen. Da kann es passieren, dass der kleine Finger chromatfrei ist, der Daumen hingegen stark belastet.

Behörden der Bundesländer haben in den vergangenen Jahren rund 850 Lederprodukte, insbesondere Kleidung, überprüft. Mehr als die Hälfte davon war mit Chromat belastet, jede sechste Probe mit mehr als 10 mg/kg. Der Höchstwert wurde in einem Handschuh gemessen: 184 Milligramm Chromat pro Kilogramm Leder. In einer klinischen Studie mit Chromat-Allergiepatienten bekam die Hälfte der Betroffenen bei einem Chromatgehalt von 5 mg/kg Hautausschläge, jeder Zehnte bereits bei 1 mg/kg.

Behandlung

Die Lederallergie lässt sich nicht ursächlich behandeln. Die einzige Möglichkeit besteht darin, entsprechend gegerbte Lederprodukte zu vermeiden, was bei der aktuellen Herstellung und Kennzeichnung sehr schwierig sein kann. Bei gesunder Haut ist das Risiko einer Lederallergie oder Chromatallergie vergleichsweise gering. Wer definitiv den Kontakt mit Chromat sicher vermeiden will – oder muss, weil er bereits eine Chromatallergie hat –, sollte kein Leder auf der Haut tragen. Auch wer zu Hautekzemen neigt oder bereits unter Hauterkrankungen wie Neurodermitis leidet, sollte besser auf längeren Hautkontakt mit Leder verzichten oder sicherstellen, dass Kleidung oder Schuhe aus pflanzlich gegerbtem Leder sind.

Lederallergie
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Eine Antwort auf "Lederallergie"

  1. Hallo,

    gibt es Erkenntnisse zu den Beschwerden, die auftreten können, wenn man die Chromate von gegerbtem Leder einatmet? Beispielsweise, wenn ein Neuwagen mit Leder ausgestattet ist und man sich längere Zeit darin aufhält?

    Lg
    Mac

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