Cannabis und Cannabisöl zur Behandlung von Allergien

Der menschliche Körper stellt sogenannte Endocannabinoide selbst her. Diese Tatsache ist schon seit den 1990er-Jahren bekannt. Wozu sie dienen, ist bislang noch wenig erforscht. Aus diesem Grund haben Bonner Wissenschaftler nun Laborversuche mit Mäusen gemacht. Dabei haben sie herausgefunden, dass diese körpereigenen cannabisähnlichen Botenstoffe entzündungshemmend wirken. Sie docken im Körper genau dort an, wo auch der in Cannabis enthaltene Wirkstoff THC andockt. Diese Cannabinoid-Andockstellen regulieren die Abwehrreaktionen der Haut. Das in Marihuana enthaltene CBD ist ebenfalls ein solches Cannabinoid.

Studie zu körpereigenen Cannabinoid-Andockstellen

Hanfsamen sind ein wichtiger Rohstoff für die Gewinnung von Cannabisöl.

Hanfsamen sind ein wichtiger Rohstoff für die Gewinnung von Cannabisöl. – Pixabay © Hans (CCO public domain)

Während der Versuche haben die Wissenschaftler um Meliha Karsak festgestellt, dass die Versuchstiere sehr viel häufiger Nickelallergien zeigen, wenn diese Cannabinoid-Andockstellen fehlen. Sie konnten die Botenstoffe nicht erkennen. In weiteren Versuchen haben die Forscher bei einigen Mäusen diese Cannabinoid-Andockstellen mit Medikamenten blockiert. Diese Versuchstiere reagierten danach viel stärker auf Allergene wie Nickel. Versuchstiere, die einen erhöhten Endocannabinoidwert aufwiesen, haben viel seltener mit einer Hautallergie reagiert. Tiere, denen eine THC-Lösung direkt auf die Haut gepinselt wurde, haben deutlich weniger Symptome einer Allergie gezeigt. Daher schlagen die Wissenschaftler vor, entsprechende Cannabis-Salben herzustellen, die der Behandlung von Kontaktallergien und allergischen Ekzemen dient. Mit einer berauschenden Wirkung ist dabei nicht zu rechnen, da die Dosierung viel zu gering ausfällt. Die Wirksamkeit von CBD in Cannabisöl bei Hautekzemen ist eine gute Nachricht für die Betroffenen.


Heilsalbe mit Cannabinoiden gab es bereits

Eigentlich sind das gar keine neuen Erkenntnisse. Bereits in den 1930er-Jahren gab es eine solche Salbe in der Apotheke. Denn schon seit vielen Jahrhunderten sind Cannabis-Extrakte für ihre heilende Wirkung bekannt, beispielsweise für ihre entzündungshemmende Wirkung. Doch aufgrund der berauschenden Wirkung des THC und dem damit im Zusammenhang stehenden Verbot von Marihuana verschwand auch die Salbe wieder aus den Regalen. Heute kämpfen Patienten dafür, dass Cannabis wieder medizinisch verwendet werden darf. Studien zufolge wirkt Cannabis nicht nur gegen Hautekzeme, sondern es regt auch den Appetit an, was bei Patienten in der Chemotherapie, bei AIDS- oder Magersuchtkranken in den USA erfolgreich zur Anwendung kommt.

Die Entstehung chronischer Hauterkrankungen

Pixabay © uello (CCO public domain) – Hautgesundheit – Ekzeme und Psoriasis

Ein chronisches Hautleiden, dazu zählen Psoriasis oder Hautekzeme (wissenschaftlich korrekt atopische Dermatitis genannt, eine Sonderform ist Neurodermitis), kann viele Ursachen haben. Zum einen kann eine genetische Veranlagung dafür vorliegen, zum anderen können Umwelteinflüsse oder die Lebensweise verantwortlich sein. In manchen Fällen spielen alle drei Faktoren eine wichtige Rolle. Eine Psoriasis kann auch Nebenwirkung bestimmter Medikamente, wie Betablocker oder Lithium, sein. Menschen mit einem schwachen Immunsystem, wie AIDS-Kranke, neigen ebenfalls zur Ausbildung dieser Hauterkrankung. Falsche Lebensgewohnheiten, die zur Ausbildung von chronischen Hauterkrankungen führen können, sind beispielsweise Adipositas (krankhaftes Übergewicht), Rauchen, Alkohol, einseitige Ernährung, Stress oder allgemein ein schlechter Gesundheitszustand. Umwelteinflüsse, die sich auf die Haut auswirken können, sind zum Beispiel ein Wechsel der Jahreszeiten, drastische Temperaturschwankungen oder Schwankungen der Luftfeuchtigkeit. Auch eine übertrieben keimfreie Umgebung kann zur Entwicklung von Allergien beitragen. Ekzeme der verschiedensten Schweregrade haben etwa zehn Prozent der Menschen. In manchen Gebieten ist ein Drittel der Bewohner davon betroffen, Tendenz steigend.

Die Symptome einer Dermatitis

Die Symptome einer Dermatitis können sehr unterschiedlich sein. Am häufigsten kommt es zu trockener und juckender Haut in den Bereichen der Ellbogengelenke, der Kniekehle, der Handgelenke sowie an Händen und im Gesicht. Gerötete Haut, Hautausschläge und Schwellungen sowie starke Bläschenbildung sind weitere typische Symptome. Die Bläschen und Wunden können Narben auf der Haut hinterlassen. In sehr schweren Fällen kann es dabei zu lebensgefährlichen Infektionen oder einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen, die durch Streptokokken und Staphylokokken ausgelöst werden. Weiterhin kann das Herpes-simplex-Virus sich leichter in den betroffenen Hautregionen ausbreiten.

Wie kann Cannabisöl bei Hautleiden helfen?

Die Anwendung von Ölen oder anderer befeuchtender Substanzen kann die Symptome der verschiedenen Hauterkrankungen lindern. So kommen häufig Bienenwachs, Mandel- oder Olivenöl und Vaseline zum Einsatz. Auch synthetische Präparate können die Symptome einer Psoriasis oder Dermatitis lindern. Ein wesentliches Merkmal dieser Erkrankungen ist extrem trockene Haut, die sich durch feuchtigkeitsspendende Cremes verbessern lässt. Das verhindert gleichzeitig weitere Irritationen. Diese Entzündungen entstehen hauptsächlich dadurch, dass die Haut ihre Barrierefunktion verliert, was dazu führt, dass die Fähigkeit beeinträchtigt ist, Durchlässigkeit und Verdunstung zu regulieren. In Cannabisöl sind sehr viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, sogenannten PUFAs (Polyunsaturated fatty acids), enthalten, die die Fähigkeit haben, den Juckreiz zu mindern und die Entzündung wirkungsvoll zu bekämpfen. Insbesondere die Linolsäure ist dabei sehr interessant. Wo noch überall mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu finden sind, hat die Uni Hohenheim zusammengefasst.

Was bewirken Cannabinoide für die Hautgesundheit?

Ekzeme und Psoriasis sprechen sehr gut auf eine Behandlung mit PUFAs an. Sie lassen sich aus mehreren Quellen gewinnen, da sie sehr weit verbreitet sind. Cannabisöl ist dabei eine sehr gute Quelle, da sie eine günstige Kombination an mehrfach ungesättigten Fettsäuren hat. Cannabinoide sind fast ausschließlich in Cannabis zu finden und haben nachweislich einen sehr positiven Effekt bei chronischen Hauterkrankungen. Der wichtigste Grund, warum sie entzündliche Hauterkrankungen lindern können, ist ihre Wirkung bei Entzündungen. Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Psoriasis zeigt die Apotheken-Umschau auf.

In Studien haben Forscher festgestellt, dass das Cannabisöl je nach Anbauart ein unterschiedliches Fettsäureprofil aufweist. Der Anteil an Linolsäure kann bei 50 bis 70 Prozent und der Anteil an Linolensäure bei 15 bis 25 Prozent des Gesamtvolumens liegen. Sobald die Zusammenhänge zwischen PUFA-Anteil und Hautgesundheit noch besser geklärt sind, können passende Öle für bestimmte Erkrankungen angewendet werden. Es wäre sogar möglich, bestimmte Züchtungen für die Behandlung einer Krankheit zu kreieren.

Weitere Cannabinoid-Rezeptoren im Magen-Darm-Trakt

Im Magen-Darm-Trakt, der eine bedeutende Barriere im menschlichen Immunsystem darstellt, befinden sich ebenfalls Cannabinoidrezeptoren. Dieses körpereigene Endocannabinoidsystem steuert und produziert verschiedene Hormone und Proteine und ist an mehreren Zellprozessen beteiligt. Ein gestörtes Gleichgewicht kann das Auftreten verschiedener Hauterkrankungen begünstigen. Gezielte Therapien mit CBD können dazu beitragen, den Zustand der Haut wesentlich zu verbessern.

Bezüglich der Wirksamkeit von Cannabisöl speziell bei Psoriasis gibt es bislang noch keine Studien, sondern lediglich Erfahrungsbericht und Studien zur Wirksamkeit von mehrfach ungesättigten Fettsäuren zur Linderung der Erkrankung.



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