Können Allergien geheilt werden?

Immer mehr Menschen reagieren auf eigentlich harmlose Substanzen aus der Umwelt mit einer Allergie. Gräserpollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben werden vom Körper plötzlich als Gefahr wahrgenommen. Doch warum gerät das Immunsystem aus dem Gleichgewicht, was kann dagegen getan werden und wie wird man Allergien wieder los?

Allergien sind mittlerweile schon eine Volkskrankheit. Etwa 34 Prozent der Bevölkerung weltweit leiden unter den Symptomen einer allergischen Reaktion. Tendenz steigend. Als Grund wird die heutige Lebensweise vermutet, die sich über die letzten Jahre stark verändert hat. Veränderte Ernährungsgewohnheiten, mehr Stress, eine höhere Belastung durch Schadstoffe in der Umwelt und übertriebene Hygiene öffnen der Entwicklung einer Allergie Tür und Tor.

Symptome der Allergie

Die Symptome einer Allergie äußern sich beispielsweise durch:

  • Niesattacken
  • Schnupfen
  • Juckreiz
  • Schwellungen und Rötungen von Schleimhäuten oder der Haut
  • Husten / Asthmaanfälle
  • oder auch Abgeschlagenheit, Kopfschmerz oder Durchfall

Je nach Allergieart sind meist verschiedene Körperareale betroffen. Bei einer Kontaktallergie reagiert häufig die Haut mit Rötung, Juckreiz oder/und Schwellung. Wird der Stoff eingeatmet, reagieren bevorzugt Nasen- und Augenschleimhäute sowie die Bronchien. Nahrungsallergien können den Halsrachenraum betreffen oder aber Auswirkungen auf den gesamten Organismus zeigen. Die Symptome bei Allergien können dabei sehr vielfältig sein.

Zusätzlich wird zwischen verschiedenen Reaktionstypen unterschieden. Pollen- und Nahrungsmittelallergien gehören häufig zum Sofort-Typ (Typ-1). Es existieren aber auch Typ-2 und Typ-3 Reaktionen, die zeitlich verzögert auftreten. Häufig treten diese Art Allergie oder Unverträglichkeit bei verschiedenen Medikamenten auf. Bei der Typ-4 Reaktion läuft die Stimulation des Immunsystems ohne Antikörper direkt über die Allergene ab. Diese Reaktion äußerst sich erst nach einigen Tagen und ist für allergische Kontaktekzeme bekannt.

Behandlung der Symptome

Der erste Schritt beim Erkennen einer Allergie ist die symptomatische Behandlung. Vor allem dann, wenn dem Allergenen nicht aus dem Weg gegangen werden kann, wie es beispielsweise bei vielen Pollenallergien der Fall ist.

  • Top1: Antihistaminika
    Das häufigste Mittel zur Behandlung von allergischen Symptomen sind Antihistaminika. Mit dazu bei trägt der Umstand, dass Antihistaminika ohne Rezept vom Hausarzt erhältlich sind. Die Anwendung ist meist risikolos und hilft die Symptome zu unterdrücken.

Bei der allergischen Reaktion kommt es zu einer Anheftung des Allergens an ein Immun-Protein (IgE), welches sich auf bestimmten Leukozyten befindet. Diese werden dadurch zerstört und lassen in den Zellen befindliches Histamin frei. Das Histamin selbst ist für Rötungen, Juckreiz, tränende Augen und weitere Symptome verantwortlich. Die Wirkweise der Antihistaminika beruht nun auf der Hemmung der Histaminwirkung. Dazu lagert es sich an die Histaminrezeptoren der Zellen an und blockiert diese. Das ausgeschüttete Histamin kann nun seine Wirkung nicht entfalten. Symptome wie Hautrötung, Juckreiz oder Rhinitis unterbleiben.

Rezeptfreie Antihistaminika gehören der 2. Generation an. Diese sind in einem deutlich geringeren Maße ZNS-gängig als die Antihistaminika der 1. Generation und damit auch mit weniger Nebenwirkungen verbunden.

  • Top 2: Kortikosteroide
    Eine andere Möglichkeit der symptomatischen Behandlung der Allergie ist der Einsatz von Kortison beziehungsweise Kortikosteroiden. Die Wirkung des Kortisons ist stark entzündungshemmend und wirkt somit den Symptomen durch die Histaminausschüttung entgegen. Die Wirkung tritt in der Regel etwas langsamer ein als bei Antihistaminika, jedoch ist die Wirkung oft stärker. Kortisonpräparate sind jedoch in der Regel verschreibungspflichtig, da sie auch weitreichende Nebenwirkungen haben können.
  • Top 3: Mastzellstabilisatoren
    Eine noch weniger bekannte Möglichkeit ist die Anwendung von Mastzellstabilisatoren. Mastzellen enthalten besonders viel Histamin. Die Mastzellstabilisatoren stabilisieren die Mastzellen nun, so dass diese deutlich weniger an Histamin und anderen Botenstoffen ausschütten. Die allergische Reaktion wird dadurch abgeschwächt. Die Anwendung ist aufgrund des Wirkprinzips jedoch in erster Linie als vorbeugende Maßnahme gedacht. So können Personen mit Heuschnupfen schon bei den ersten Anzeichen von Pollen auf Mastzellstabilisatoren zurückgreifen, müssen diese jedoch dann solange nehmen, bis der Pollenflug wieder vorbei ist.

Allerdings können hierbei auch Nebenwirkungen wie Husten, Nasenbluten, Hautreaktionen oder Gelenkschmerzen auftreten.



Ursachen erkennen

Darmbakterien spielen eine wichtige Rolle für das Immunsystem.

Die Ursachen einer Allergie greifen jedoch sehr viel früher. Sicherlich ist die erhöhte Histaminausschüttung eine Ursache der allergischen Symptome, jedoch reagiert der Körper hier auf eine Substanz, die in Wirklichkeit völlig ungefährlich für den Körper ist. Erst die unverhältnismäßige Reaktion des Körpers darauf ist das eigentliche Risiko.
Doch warum reagiert der Körper auf eine eigentlich harmlose Substanz?
Die Wissenschaftler schlagen mehrere Hypothesen vor, warum die Allergiehäufigkeit in der Gesellschaft so stark ansteigt.

Übertriebene Hygiene
Ein Argument ist, dass in unserer Gesellschaft Hygiene einen immer höheren Stellenwert erhält. Kinder werden von Anfang an von Schmutz und Keimen ferngehalten. Das Immunsystem ist unterfordert und kann sich nicht ausreichend entwickeln. Somit erhöht sich laut dieser „Hygiene-Hypothese“ das Risiko, dass das Immunsystem auf harmlose Substanzen reagiert.

Kaiserschnitt erhöht Allergierisiko
Auch die Beobachtung, dass Menschen, die mit Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind, etwa fünfmal häufiger unter Allergien leiden, zeigt, dass Bakterien bei der Entwicklung oder Nichtentwicklung von Allergien eine Rolle spielen. Durch die vaginale Geburt kommen die Neugeborenen in Kontakt mit Bakterien aus der Scheidenflora der Mutter. Diese siedeln sich im Darm des Neugeborenen an und wirken wie eine Art Impfung mit guten Bakterien, die sich positiv auf die Entwicklung des Immunsystems auswirken.

Antibiotika und Allergie
Interessant ist, dass es auch einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Antibiotika und der Zunahme an Allergien gibt. So zeigen verschiedene Studien den zeitlichen Zusammenhang zwischen steigendem Antibiotikaverbrauch und der Zunahme an Allergien. Ob der Zusammenhang kausal ist, wurde bisher noch nicht näher untersucht. Jedoch ist anzunehmen, dass durch die Anwendung von Antibiotika die Darmflora beeinträchtigt und damit das Immunsystem negativ beeinflusst werden kann.

Fastfood und Allergie
Eine großangelegte Studie, deren Ergebnisse 2013 präsentiert wurden, zeigte einen starken Zusammenhang zwischen der Entwicklung schwerer Allergien und dem Verzehr von Fast-Food. Die ungesunde Ernährung wirkt sich somit ebenfalls negativ auf das Immunsystem aus.

Fazit
Um Allergien zu bekämpfen, reicht es nicht nur, Symptome zu behandeln und die eigentliche Ursache aus dem Blick zu lassen. Auch wenn der Grundstein häufig schon in der Kindheit gelegt wird, besteht das ganze Leben über noch die Möglichkeit, die eigene Darmflora wieder aufzubauen und intakt zu halten – und damit auch das Immunsystem. Der Kontakt zu natürlichen Keimen sollte auch im Erwachsenenalter bestehen bleiben. Und eine gesunde Ernährung hilft zudem, Darm und Immunsystem positiv zu beeinflussen und Fehlfunktionen des Immunsystems zu minimieren.

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Eine Antwort auf "Können Allergien geheilt werden?"

  1. Ich finde es gut, dass Sie auch auf die negativen Auswirkungen von Fastfood hinweisen. Gerade die moderne Ernährung ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe für die vermehrten Allergiefälle. Die beste Allergiebehandlung ist deshalb wohl die Umstellung der Lebensweise.

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